Друштво за српско-немачку
сарадњу
http://www.drustvosns.org
Logo
Gesellschaft für serbisch-deutsche
Zusammenarbeit
http://www.drustvosns.org
 
    1991
 



Mira Sofronijević
 
INDUSTRIELLER, HUMANIST, WOHLTÄTER
GEORG WEIFERT (1850-1937)


„Sobald ich meine Schulausbildung abgeschlossen hatte, wurde ich zum serbischen
Staatsbürger, bekam ich die Brauerei und die Firma in Belgrad. Meinen gesamten Besitz bekam ich von meinem Vater, genauso aber auch die Leidenschaft und die Liebe zum Sammeln von bedeutenden historischen Urkunden. Ich schenkte meine Sammlung von Dokumenten dem Gemeindemuseum der Stadt Belgrad, damit sie hier allen zugänglich sein sollte, sowohl den Belgradern als auch Ausländern.

Die Liebe zur Sammlung von Antiquitäten erbte ich von meinem Vater, der, wo er auch immer hinreiste, ob nach München oder nach Prag, mit einem besonderen Interesse und vom Wunsche geleitet so viel wie nur möglich zu erfahren und zu sehen, verschiedene Museen und Galerien besuchte, und dort deren Bedeutung und den großen Wert, den sie im kulturellen Leben dartun, kennen lernte.

So auch ich, wo immer ich hinreiste und wo immer ich mich aufhielt, mein erster Schritt führte mich zum Antiquitätenladen, wo ich Bilder über das alte Belgrad suchte ... Als meine Sammlung dann so groß wurde, dass kein Mensch mehr das Recht hat, sie ausschließlich für sich zu behalten, da schenkte ich sie dem Museum der Stadt Belgrad, könne sie damit doch allen zugänglich sein. Ein gut eingerichtetes städtisches Museum besucht jeder, und Belgrad gehört nicht nur uns, Belgrad ist nicht nur eine lokale Erscheinung, es weist weit über unsere Grenzen hinaus.“ Das waren die Worte von Georg Weifert auf der feierlichen Sitzung des Gemeindeausschusses der Stadt Belgrad, die am 17. März 1932 ihm zu Ehren und anlässlich seiner Schenkung von zahlreichen Urkunden und Bildern aus der Geschichte Belgrads vom XV bis zum XIX Jahrhundert abgehalten wurde.

Georg Weifert, ein berühmter serbischer Industrieller deutscher Abstammung, wurde am 15. Juni 1850 in Pančevo geboren, in einer Familie, die aus Vršac nach Pančevo gezogen war.

Um die Mitte des XVIII Jahrhunderts emigrierte die deutsche Familie Weifert aus dem Banat, und Georg Weifert selbst sagte: „Die Meinigen ließen sich aus Oberösterreich in die serbischen Gegenden herab. Ich lebte und kämpfte als Serbe und möchte als solcher auch sterben.“

Sein Großvater Georg, nach dem er benannt wurde, zog aus Vršac nach Pančevo, wohin sonst auch eine große Zahl an Serben zog. Er selbst befasste sich mit dem Lederhandwerk. Damals, zu Beginn des 19. Jh. hatte Pančevo 18 – 20.000 Einwohner, wobei die Zahl der Deutschen und der Serben nahezu gleich groß war. Ungarn waren zu der Zeit noch nicht anzutreffen, und so hörte man außer dem Deutschen und dem Serbischen keine andere Sprache.

Die Deutschen und die Serben in Pančevo lebten eigentlich in einem größtmöglichen Einverständnis, auch wenn sie in keiner Weise irgendwelche Verwandtschaften oder Verschwägerungen eingingen. Die Religionsunterschiede, die verschiedene Sprache und die Unterschiede in den traditionellen Gewohnheiten störten deren herzliche Freundschaftsverhältnisse nie. Der Pfarrer und Dichter Vasa Živković, dessen Lieder, wie etwa „Rado ide Srbin u vojnike [Gern wird der Serbe zum Soldaten]“, „Odbi se biser grana []“, „Oro kliče sa visine [Der Reigen jauchzte von den Höhen hinab]“, „Ti plaviš, zoro zlatna [So verbläut, du goldne Morgenstund’]“ u.a., welche heutzutage immer noch als Altstadtlieder gesungen werden, war beliebt und angesehen bei Angehörigen beider Volksgruppen, während man den katholischen Pfarrern mit Achtung in orthodoxen Heimen aufwartete.

Pančevo war damals ein wichtiges Handelszentrum. Der Donau entlang handelte man insbesondere mit Nahrungsmitteln und hauptsächlich mit Weizen. Da es weder eine Eisenbahn gab noch Dampfboote, schleppte man die Nahrung mithilfe von Spannwagen, die von Pferden bis zum Save-Donau-Delta gezogen wurden und von dort aus die Save entlang bis hin nach Sisak.

Naturgemäß ergab es sich in solch einem Umfeld, dass der alte Georg Weifert sich neben seinem Lederhandwerk auch im Weizenhandel versuchte. In kürzester Zeit wurde er einer der herausragendsten Getreidehändler in Pančevo. In einem Moment schlug er es nicht aus und half dem jungen serbischen Händler Ilija Milosavljević Kolarac großherzig, ihm einige seiner Kornspeicher und Magazine überlassend.

Der alte Weifert war schon in den 30er Jahren Besitzer der Brauerei Pančevo, die ursprünglich im Besitz eines Verwandten der Familie Weifert war. Mit dem Entschluss, diese Brauerei abzukaufen und weiterzuentwickeln, wollte er, dass sein ältester Sohn Ignatius, der Vater Georgs, sie verwaltet. Dazu wurde dieser zum Besuch des damals angesehenen Kurses zur Technologie beim Professor Kaiser nach München geschickt. Zum praktischen Kennenlernen mit der Brauereiindustrie wurde er zu Sedlmeier, den Besitzer der Münchener Spatenbrauerei geschickt.

Das Jahr 1840 gilt nun allgemein als Gründungsjahr der Brauerei Ignatius Weifert’s in Pančevo. Moderne Technologien wurden 1911 eingeführt, und die Braukapazität betrug 1929 insgesamt 100.000 Hektoliter Bier sowie 50 Waggons Malz jährlich.

Das Ansehen des Hauses Weifert stieg wie auch die Geschäftskraft unter den Händlern Pančevos, auch Belgrads ebenso wie in allen größeren Handelszentren in Ungarn und Österreich.

Ignatius Weifert verwaltete die Belgrader Brauerei, die sog. „Fürstliche Brauerei“, gelegen in der Straße Balkanska ulica, als Pächter, weil Ausländer den damaligen Gesetzen des Fürstentums Serbien zufolge keine Immobilien besitzen oder erwirtschaften konnten. Seine Arbeit in der Brauerei erweckte jedoch Aufmerksamkeit und letztlich auch des Fürsten Mihailo selbst. Also gelang es Ignatius Weifert mithilfe von Dr. Pacek, des fürstlichen Verwalters und Vertrauten, und vom Rechtsanwalt Pero Marković eine Länderei auf dem Berg und Stadtgebiet Topčidersko brdo, das damals „Smutekovac“ hieß, zu kauften, und eine Brauerei darauf zu bauen. Die Liegenschaft trug den Namen nach dem früheren Besitzer, des Tschechen Smutek, was zu der Zeit in Serbien vollkommen üblich war. D. h., ganze Gegenden bekamen Namen nach ihren Besitzern. Smutek baute zwar Baracken darauf, begann aber keine Geschäfte damit. Der Kaufhandel wurde nun zunächst mit Bestätigungen quittiert und als der jüngere Georg Weifert 1872 die serbische Staatsangehörigkeit verliehen bekam und als serbischer Bürger seinen Eid schwur, erhielten die Weifert’s ordnungsgemäß ihren Grundbrief, und der Besitz wurde in den Grundbüchern auf den Namen Georg Weifert eingetragen.

In Pančevo, wo er am 15. Juni 1850 geboren wurde, schloss Georg neben der Grundschule für Grenzgänger auch das Realgymnasium ab und in Budapest die Handelsakademie. Um seine Bildung und Kenntnisse abzurunden, schloss er in Bayern, in Vaentstefan bei München das Zentrale Landwirtschaftsinstitut mit einem Diplom ab. Hier eignete er sich sein theoretisches Wissen aus dem Bereich der Brauereiindustrie an.

Das Brauereiwesen war zu Weifert’s Zeiten kein in Serbien begünstigter Industriezweig, doch erlebte man hier einen ausgesprochenen technischen Aufstieg aus der niederentwickelten in eine höher entwickelte Phase des technologischen Fortschritts.

Mitte des 19. Jh. hatte Belgrad die „Große Brauerei“, die sog. „Fürstliche“, die sich im Besitz der Fürstin Ljubica Obrenović an der Savamala befand, und eine „Kleine Brauerei“ im unteren Teil der Straße Cetinska ulica, die im Besitz der Söhne Bajlon ihre vollen Blüte entfaltete. Im Jahre 1884 wurde die Brauerei auf Dampfbetrieb umgestellt und ist einer der ersten Nutzer von Stromenergie aus der Belgrader Elektrozentrale, die 1892 endgültig fertiggestellt wurde. In deren späterer Entwicklung wurde sie als Energielieferant ebenso für den Betrieb von Mühlen genutzt. Daraufhin schlossen sich die Textilfabriken, die staatliche Tabak- und Streichholzfabrik, die Zuckerfabrik auf dem Stadtgebiet Čukarica, der staatliche Schlachtbetrieb im Stadtteil Karaburma an, sowie in kleinerem Umfang manch eine der kleineren Fabriken, die nach dem Beschluss des Gesetzes zur Industrieunterstützung aus 1898 gegründet wurden.

Nach beendeter Schulbildung kommt Georg Weifert nach Belgrad, wo er vom Vater Ignatius die Verwaltung der Brauerei übernimmt, die in der Stadtgegend Topčidersko brdo erbaut wurde, und die sich heute immer noch dort befindet, aber unter dem Namen „Beogradska industrija piva“ – „BIP“.

Georg Weifert heiratete im Jahre 1874 Marija Haril, mit der in einer Ehe, die kinderlos blieb, 50 Jahre verbrachte.

Als leidenschaftlicher und guter Reiter trat Weifert in seinem neuen Vaterland sofort in die Reihen der damaligen „Volksarmee“, und das als Reiter im Belgrader Eskadron, das unter dem Befehl von Jova Krmanović stand. In den serbisch-türkischen Kriegen von 1876 bis 1878 standen die Reiter im Eskadron in der Ordonnanz an den Kommandos und Stäben. Die Bedeutung dieses Dienstes war umso größer, wenn man beachtet, dass die Feldtelegrafie nicht vollständig war, und dass man in der serbischen Armee damals noch kein Telefon hatte. Weifert gab sich seinen Pflichten wie auch alle anderen sehr genau, gewissenhaft und mit Herz hin, sodass König Milan Obrenović ihn mit den Orden „Takovski krst“ auszeichnete, dem einzigen Orden, der damals in Serbien verliehen wurde.

Bei der Übernahme der Brauerei bereitete Georg Weifert die Sicherstellung von genügend Energie für deren Betrieb die ersten Sorgen. Damals gab es in Serbien noch keine Kohlebergwerke. Im selben Jahr, als er die Brauerei bekommen hatte, unternimmt Weifert mit dem alten, erfahrenen Ingenieur Vštečki Arbeiten, um verschiedenste Erzlagerstätten zu untersuchen. Sein Eifer und enorme Investitionen grenzten schon an Aufopferung. So war Georg Weifert auch einer der Ersten in Serbien, der damit begann, die reichhaltigen Erzvorkommen zu untersuchen.

Das Kohlebauwerk „Kostolac“ wurde 1873 geöffnet, und ab 1882 suchte Weifert zusammen mit Professor Klerić auf der Avala nach Quecksilber, für das man angenommen hatte, das es noch zu Zeiten der Phönizier abgebaut wurde. Das Bergwerk auf der Avala wurde 1886 eröffnet, rentierte sich aber nicht. Nach fünf Jahren sah man ein, dass der Abbau von Quecksilber auf der Avala sich nicht auszahlte. Danach ging man ins Dorf Ruplje nahe Grdelica über, wo man Bleierze entdeckte, und so fing man in der damals öden Gegend, weit weg von Wegen und ohne Verkehrsmittel mit der Arbeit an. Weifert sagte zu diesem Unterfangen: „Es war schwer mit diesen Leuten zu leben, deren Leben vollkommen primitiv war. Es wurden Baracken erbaut, eine kleine Apotheke errichtet, und es wurden Betten für die Arbeiter gebaut, was die Bauern damals noch nicht kannten. Das ganze Dorf beneidete die, die sich auf Arbeit im Bergwerk befanden. Als ich einmal nach Belgrad aufbrach, fragte ich den Popen, einen Mann alten Eisens, der genauso lebte wie alle anderen in seiner Pfarrgemeinde, was er sich mitbringen lassen möchte, denn er hat mir viele Dienste erwiesen. Im Vertrauen sagte er zu mir: „Nur so ein Bett mit Beinen, wie ihn deine Arbeiter haben.“ Das war der Beginn einer fortschrittlichen Kultur. Während der Zeit, die ich dort arbeitete, bekam das Dorf eine neue Physiognomie, und das neue Leben spiegelte sich in jedem Haus wider.“

Dieses Unternehmen erwies sich allerdings auch als unrentabel, sodass sich Weifert unter großen Verlusten aus diesen Untersuchungen zurückzog.

An die Reihe kam danach „Rusman“ unter „Deli Jovan“, wo das Graben nach Gold begonnen wurde. Da er aber 1.500.000 Dinar vom eigenen Geld verbrauchte, verließ Weifert auch dieses Geschäft, das sich noch weniger rentierte als das Vorherige.

Nach Bor kommt er 1895. Den Ort umschrieb er folgendermaßen: „Das war ein armes Dorf, weit entfernt von Zaječar und jeglichem Verkehr.“ Ungeachtet der Tatsache, dass er für diese Forschungen enorme finanzielle Mittel aufbrachte, gab er weitere Untersuchungen nicht auf. Das Geld aus der Hinterlassenschaft seines Vaters brachte sich mit der Zeit auf, und aus seinem Freundeskreis konnte man hören, dass man ihm als Verschwender einen Fürsorger auferlegen müsste.

Überall wo Weifert umherwanderte, durch verschiedene angenommene Erzlagerstätten, schroffe Steilhänge und Einöden, traf er durch seine Liebenswürdigkeit und freundlichem Umgang immer auf das Wohlwollen der Alteingesessenen. Weder Räuber, derer es in Serbien damals viele gab, vor allem im Bezirk Požarevac, bedrohten ihn, weil sie wussten, dass dieser „Sonderling“ und „Enthusiast“ in seinen Packtaschen nur irgendwelches „unnötiges“ Gestein mit sich trägt. Noch die Berüchtigsten unter ihnen, wie beispielsweise der Räuber Petar oder die Räuberin Milja, die sowohl rücksichtslos waren als auch keine Moral und keinen Anstand hatten, taten ihm am Kostolac etwas zuleide oder griffen ihn an. Verdacht schöpfend fragte König Milan Obrenović ihn einmal: „Bei Gott Djordje, man möchte sagen, du gäbest den Übeltätern eine Apanage, um dich nicht stören zu lassen...“ Erst bei Gericht hat der Räuber Petar den Fall Weifert erklärt: „Also, mein lieber Bruder, wie soll ich auf Herrn Djordje losschlagen, wenn er niemanden Übles tut und sich nicht in die Politik einmischt.“

Hätte die Brauerei zu der Zeit mit Aaron nicht einen ergebenen und fähigen Buchhalter und Kassenwart gehabt, der immer dann mit der Kündigung gedroht hätte, wenn sich Weifert auf seine neuen Erkundschaftungen für den Bergbau begab, wäre die Brauerei infolge von Weifert’s leidenschaftlicher Forschungsbesessenheit mehr als zehn Mal in fremde Hände gelangt, d. h., sie wäre unter den Hammer gekommen, wie man damals zu sagen pflegte.

Bei einer Gelegenheit sagte ihm sein alter Kommandant Jova Krsmanović: „Komm schon, Djuro,“ wie ihn nur die Intimsten aus seinem Freundeskreise nannten (Anm. d. Verf.), „bei Gott, mein Bruder, was soll aus dir zuletzt noch werden. Dein Vater war ein tüchtiger Mann, er arbeitete und verdiente, und du wirst alles zu Grunde richten. Wenn ich nur wüsste, auf wen es dich so verschwänderisch geschlagen hat.“ Und Nikola Spasič, ein ebenso enger Befreundeter Weifert’s, meinte tadelnd zu ihm: „Solch ein Geld hattest du, und du weißt es nicht zu platzieren. Wie mache ich es denn, ein Haus, dann das Nächste, und jetzt habe ich 1.000 Dinar Monatsrente, was niemals verfällt.“

Es gab Augenblicke da drohte er in Wechseln zu ersticken, und es bahnte sich der Konkurs an. Manchmal benötigte er eine Anleihe von nur einigen tausend Dinar, und keiner wollte ihm auch nur den geringsten Heller geben. Zu einem solch hoffnungslosen Zeitpunkt ging Weifert zur Handelsbank mit einem Wechselschein von 50.000 Dinar in Gold. Alle bezweifelten seinen Ernst, alle, außer der Bankdirektor Miloš Tucaković, der zz. der Regierung von Herrn Dr. Vladan Djordjević selbst dem Staat Millionensummen für Beamtengehälter lieh. Tucaković nahm den Wechsel an. Wendete ihn. Unterzeichnete ihn und ordnete die Auszahlung der Gesamtsumme an Weifert an.

Es jährte sich die anstrengende Arbeit in Bor schon zum achten Mal. Georg Weifert war mittlerweile schwerfällig geworden, und allein durch Bedrängnis des Ingenieurs Šistek wurden die Untersuchungen noch eine Zeit lang fortgesetzt, bis man nicht auf eine richtige Kupferader stieß.

Mit dem Geld der Handelsbank wurde 1903 das Bergwerk Bor geöffnet, dessen Aktien sich Jahrzehnte lang ganz an der Spitze der Weltbörsen etablierten, gleich neben den Aktien von Royal-Dutch und anderen starken Wertpapieren.

Dank des Bergwerks in Bor, dessen anteiliger Besitzer er war, erlangte Weifert seinen Reichtum und wurde in internationalen Finanzkreisen bekannt. Weifert’s Brauerei wurde eine der größten und modernsten Brauereien auf dem Balkan.

Neben den Untersuchungen zum Bergbau beschäftigte sich Weifert leidenschaftlich mit der Archäologie, insbesondere mit der Numismatik, sodass ihm viele Ortsansässige am Ort, wo er jeweils Grabungen durchführte, später noch jahrelang alte Geldstücke brachten, die sie selbst gefunden hatten.

In diesen Einöden errichtete Weifert neben der Öffnung von Bergbauwerken, auch Schulen, Kirchen und Wohnungen für seine Bergbauarbeiter. So baute er im Bezirk Negotin-Krajina eine der „Heiligen Anna“ geweihte orthodoxe Kirche in Erinnerung an seine Mutter, in Bor eine Schule und die orthodoxe Kirche „Heiliger Georg“, in Glogovac danach noch eine orthodoxe Kirche und in Kostolac eine Schule sowie eine orthodoxe Kirche. In Pančevo errichtete er eine Kirche für den Seelenfrieden seiner Eltern Ignatius und Anna. Er wollte zunächst nur eine Kapelle errichten lassen anstatt einer Kirche, aber auf Bitten der hiesigen Bewohner baute er die Kirch der Hl. Anna, denn alle wünschten sich, in der unmittelbaren Nähe einen Turm mit Uhr zu bekommen, die ihnen die genaue Uhrzeit anzeigen würde, und der von allen Seiten schön zu sehen sei. In dieser Kirche ruhen gleichfalls seit dem 12. Januar 1937 die Überreste von Djordje Weifert.

Anlässlich des 50-Jährigen Jubiläums der Bergbauarbeit verlieh das Ministerium für Wälder und Erze zu dieser Gelegenheit Georg Weifert eine gesondert dafür erstellte


D E N K S C H R I F T
Ministerium für Wälder und Erze ausgegeben an Herrn Georg Weifert anlässlich des 50-Jährigen Jubiläums seiner Bergbauarbeiten.
Herr Georg Weifert hat als Industrieller und Gouverneur der Volksbank 1872 Bergbauarbeiten in Serbien aufgenommen und volle fünfzig Jahre lang mit großer Tüchtigkeit und bedeutenden materiellen Aufopferungen Arbeiten zur Untersuchung von verschiedenen Erzvorkommen unternommen und eine große Zahl an Bergwerken eröffnet, unter denen sich das bekannte Bergwerk in Bor befindet. Herr Weifert sorgte sich väterlich um seine Arbeiter und ihre Familien. An seinen Bergbauunternehmen baute er überall gesunde Arbeiterwohnungen, half und errichtete Kirchen und Schulen und bot den karitativen Vereinigungen umfangreiche Unterstützung.
Herrn Weifert steht der Verdist zu für die Untersuchung und Eröffnung dieser Bergwerke: - Kohlebergwerk „Kostolac“ (1837) – Quecksilberwerk „Avala“ (1886) – Silber- und Bleiwerke „Djurina sreća“ in Ruplja (1894) – Goldwerk „Sv. Ana“ auf Deli Jovan (1901) – Goldwerk „Hl. Barbarus“ am Fluss Pek (1902) – Kupferwerk „Sv. Djordje“ in Bor (1903) – Goldader-Bergwerk „Sv. Ignjat“ in Bela Reka (1905) – Kohlebergwerke „Podvis“ (1909) – Magnesiumabbau in Čemernica (1911) – Arbeiten zu Untersuchungen in: Miroč (1888), Rudnik (1896), Pek (1899), Zlot (1899) und beim Fluss Timok (1903).

Mit seiner Beständigkeit, der ausdauernden Arbeit und seiner Aufopferung hat sich Herr Weifert bedeutende Leistungen in der Bergbauindustrie in Serbien erworben, und zum Zeichen der Anerkennung und des Dankes überreicht ihm das Ministerium für Wälder und Erze diese Denkschrift.
Belgrad, den lfd.Nummer 1 – 1. Januar 1922
Erster Direktor
der Hauptdirektion für Erze
Dr. Dim. Antula, eigenhändig
Minister
der Wälder und Erze
Živ. Rafailović, eigenhändig
Stempel

Georg Weifert nahm an den Balkankriegen wegen seines fortgeschrittenen Alters nicht mehr teil. Das Reiterregiment Donau zog von seinem Familienhaus, das sich heute noch neben der Brauerei BIP befindet, aus in diesen Krieg, ihm dabei fest versprechend, dass man in 20 Tagen in die kaiserliche Thronstadt Dušan’s Skoplje einziehen werde. Das Regiment kam nach der Schlacht bei Kumanovo, wie es der Kriegsplan vorsah, über Sveti Nikola, Štipe, Demir kapija, Djevdjelija, Dojran und Kukoš am zwanzigsten Tag in Thessaloniki an. Sofort schickte man ein Grußtelegramm an Georg Weifert, das ihm ein englischer Schiffskapitän über London in Belgrad überreichte.

Das Regiment wurde in daraufhin in Skoplje stationiert, wo es ein Geschenk mit Weifert’s entgegnendem Gruß bekam: „Herzlich zeige ich mich erkenntlich für die innigen Grüße... Den ganzen Kriegszug über waren meine Gedanken mit euch, und ich war überzeugt davon, dass ihr die Fahne, die ihr aus meinem Heim auf euren Weg genommen habt, siegreich über die gesamte Balkanhalbinsel führen werdet. Diese Erwartung erfülltet ihr mit unstreitbarer Tapferkeit und so geschwindt, dass ihr euch das Recht erworben habt, vom gesamten serbischen Volk die ganze Anerkennung zu bekommen.

Glänzende Heldentaten der tapferen serbischen Armee krönen die Arbeit, die wir jetzt schon alternden Kämpfer aus dem ersten und zweiten Krieg (er denkt an die serbisch-türkischen Kriege 1876 – 1878, Anm. d. Verf.) begonnen hatten für die Volksbefreiung und Unabhängigkeit. Mit dem Waggon Bier, den ich für euch verabschiedet habe, schicke ich euch herzliche Grüße und die innigsten Wünsche, dass den bezeugten heldenhaften Siegen der serbischen Armee gutes Glück zur Seite steht, sowohl in der militärischen Berufung als auch in jedem sein eigenes Leben. Mit Freuden rufe ich aus allem Herzen: „Es lebe die tapfere serbische Armee und es lebe das Reiterregiment Donau und deren tapferer Kommandant.
Der alte Reitsoldat Djordje Weifert“

Georg Weifert nahm sich vieler der serbischen Bräuche an. Als christliches Tauffest der Familie wurde ihm der Tag des Hl. Save bestimmt. Es blieb vermerkt, dass zum Abendessen bei der Familie Weifert immer siebzig bis achtzig Gäste anwesend waren. Die serbische Sprache erlernte er noch in seiner jüngsten Kindheit, sprach aber stets mit einem erkennbaren Akzent seiner deutschen Muttersprache.

Als Unternehmer mit selten solch großen Fähigkeiten und ein äußerst ehrbarer Mensch hatte Georg Weifert einen großen Anteil in der Herausbildung und der Tätigkeit der bedeutendsten Finanzinstitute des damaligen Serbien gehabt. Beispiel dafür sind: die Belgrader Genossenschaft, die Volksbank und die Industriekammer. Er war der erste Vorsitzende der Industriekammer und deren Ehrenvorsitzender auf Lebenszeit. Als die Nationalbank gegründet wurde, verlangte das gemeine Volk, dass Georg Weifert zum Verwaltungsrat zählen sollte. Zum Gouverneur der Volksbank wurde er 1890 bis 1912 gewählt, dann in einer weiteren Amtszeit von 1912 bis 1926. Im Jahre 1926 wurde er zum Ehrenvorsitzenden der Volksbank auf Lebenszeit gewählt.

Im Ersten Weltkrieg begleitete er als Gouverneur der Volksbank des Königtums Serbien zusammen mit Marko Stojanović und Luka Ćelović-Trebinjac, den im Bereitschaftsdienst stehenden Mitgliedern des Verwaltungsrates, den Tresor der Volksbank zunächst durch alle Rückzüge vor dem Feind. Der Weg führte bis nach Athen und danach mit dem Schiff nach Marseille, das sich unmittelbar von verschiedenen Angriffen feindschaftlicher U-Boote bedroht sah. Mit dem Tresor gelangte man in Marseille an, wo alle Wertgegenstände der Nationalbank Serbiens in die Tresore der „Französischen Bank“ untergebracht wurden. Der Nationalbank Serbiens wurde auf diese Weise eine weiterhin ungestörte Arbeit ermöglicht. Mit den Mitteln wurde unter anderem einer großen Zahl an Flüchtlingen geholfen. Nach dem Kriegsende brachte man 1919 alles wieder in das Land zurück.

Georg Weifert arbeitete während des Ersten Weltkrieges aber nicht nur in der Nationalbank, sondern betätigte sich im Amte eines Freimaurers zusammen mit seinen Freunden in Frankreich an der Linderung der Kriegsfolgen im Leid ertragenden Serbien. Zum Freimaurer wurde er 1890, als er an der Gründung der Loge „Bruderschaft“ teilnahm. Als die Loge ihre Tätigkeit aufnahm, zählte sie 11 Mitglieder, und ihre Arbeit bildete die Grundlage der weiteren Entwicklung von Freimaurergesellschaften in Serbien. Gleich zu Beginn, als die Loge gegründet wurde, wählte man Weifert einstimmig zum Vorsitzenden, und mit diesem Ehrentitel leitete er die Tätigkeit der Loge bis zu seiner länger andauernden Abwesenheit. Seine Arbeit und die umfangreiche materielle Unterstützung der Freimaurer verhalf dazu, dass die Mitgliederzahl in vier Jahren von 11 auf 56 anstieg.

Unter der Leitung von Georg Weifert befreiten sich die Freimaurer Serbiens noch 1908 ihrer ausländischer Tutoren, wurden selbstständig und gründeten einen eigenen Obersten Rat, der von allen Freimaurergesellschaften in Europa und Amerika anerkannt wurde. Die Hilfe stellende Leistung, die Weifert beigesteuert hatte, verhalf den Belgrader Freimaurern dazu, 1910 ein eigenes Heim zu errichten.

Noch zz. des Ersten Weltkrieges beschäftigten sich die serbischen Freimaurer aktiv damit, über ihre Delegierten in London, Paris, Rom, der Schweiz und Amerika die Schwierigkeiten zu lindern, die das serbische Volk trafen, und sie verteidigten seine Rechte auf Kongressen, Konferenzen und in anderen Logen genauso wie mit dem Druck von Sonderausgaben und Zeitungsartikeln.

Schon 1920 wendet sich Weifert als (...) Großmeister an die Mitglieder:
„Gott behüte Euch, meine Brüder,
ein großer Serbe, großer Kroate und großer Slowene werden weder groß noch glücklich sein, wenn auch nur einer unter ihnen klein ist.Wir stären uns also selbst und einander, auf dass unsere Gemeinschaft stark sei und groß.
23.X 1920
Großmeister
Georg Weifert“

Dank Georg Weifert wurde 1922 die Große Loge aller Serben, Kroaten und Slowenen gegründet mit dem Ziel, dass die Völker, die in den neuen Staat eingetreten sind in verschiedenen kulturellen, Bildungs- und wirtschaftlichen Entwicklungsstufen, umso schneller voranschreiten und sich gegenseitig annähern. In seinem Sendschreiben bestellt der Großmeister 1922:

„Die Aufklärung des Volkes, die Volksmoral, die Gesundheit des Volkes und jedes andere soziale Bedürfnis des Volkes kann bei uns kein minderes Interesse hervorrufen als bei anderen unseren Bürgern ... Doch sollte man zwei ebenso wichtige Aufgaben dabei nicht vergessen: die Verteidigung der Einheit unserer Stämme (Serben, Kroaten und Slowenen, Anm. d. Verf.) von den äußeren und inneren Feinden und die geistige Angleichung unserer Provinzen, die Jahrhunderte lang fremdem Einfluss und einem Imperialismus ausgesetzt waren. Wenn unser Vaterland vom Feind vollkommen geschützt ist, wenn der Strahl unserer kulturellen Aufklärung alle unsere Gebiete, vom Triglav und von Maribor ganz bis Maleša und Bitolja umleuchtet, wenn jeden von uns, der sein Vaterland liebt, die gleichen nationalen Gefühle erwärmen – erst dann werden unsere Taten als Freimaurer in dieser Hinsicht ihre nationale Rolle erfüllen. Unsere erste und notwendigste Pflicht ist: Bestand und Standhaftigkeit zeigen, ergeben im Dienst dem geeinigten Vaterlande, seinem dreifachen Volksnamen und aller aufgeklärter Welt.“

Die humanitäre Arbeit Georg Weifert’s und seine Leistungen sind weder ausreichend erforscht noch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Es dürfte schwer sein, alle wissenschaftlichen, Bildungs- und humanitäre Gesellschaften und Vereine aufzuzählen, deren Gründer, Stifter, Mitglied des Verwaltungsrates oder aktives Mitglied Weifert war. Von den Bedeutendsten sollten erwähnt werden u. a.: die geologische Gesellschaft, die geografische und die Geschichtsgesellschaft sowie der Verein der Unternehmer im Bergbau.

Weifert ist gleichzeitig ein bedeutender Stifter vieler patriotisch gesinnter und humaner Gesellschaften. Erwähnt werden sollten: der Serbische Schwesternzirkel, die Gesellschaft „Knjeginja Ljubica“ [Fürstin Ljubica], den Mutterschaftsverein, die Frauengesellschaft der belgrader Ärzte, die Gesellschaft der Belgrader Frauen, die Rote Kreuz – Gesellschaft, die Gesellschaft „Kralj Dečanski“ [König von Dečane], ein Heim für taubstumme Kinder, die Gesellschaft „Sveti Sava“ [Heilger Save], eine Handelsjugend, den Reiterzirkel und von verschiedenen Gesangsvereinen bis hin zum Kellnerfond und dem Verein der Belgrader Gemüsehändler.

Bei der Gründung vieler Gesellschaften war er zumeist einer der Initiatoren, Mitglied der ersten Verwaltung oder Begründer. So wurde auf Initiative von Georg Weifert die Gesellschaft „Kralj Dečanski“ gegründet, die taubstumme und erblindete Kinder, derer es in Serbien damals viele gab, versorgte und auf das Leben vorbereitete.

Nach der Idee von Georg Weifert und unterstützt von Marko Stojanović, dem unzertrennlichen Freund Weifert’s, der stets mit ihm zusammenarbeitete, wurde die Invaliditätskasse „Sveti Djordje“ [Hl. Georg] gegründet. Unter den vielen humanitären Aktionen nach den Balkankriegen hatte man sich damit zum Ziel gesetzt, Schwerbehinderten zu helfen und den Familien von gefallenen Kriegern, die vom Staat schon Unterstützung bekamen, welche aber unzureichend war. Weifert stiftete bei der Kassengründung 1913 insgesamt 300.000 Dinar und war auf Antrag der Mitglieder und Kassennutzer der Vereinsvorsitzende bis zu seinem Tode. Das Kassenkapital vermehrte sich stetig durch Spenden neuer Mitglieder und Stifter, um 1915 von Nikola Spasić, dem großen Händler und serbischen Stifter, zu dessen Lebzeiten seinen Prachtbau in Belgrad, an der Ecke Straße Knez Mihailova ulica Nr. 37 und der Straße Vuka Karadžića geschenkt zu bekommen. Die Kasse erhielt dadurch einen ganz besonderen Stift von Nikola Spasić, womit sie sich ein stetiges Einkommen sicherte.

Die Kasse hat also nach der Grundidee Georg Weifert’s, eines Deutschen, der darum bemüht war, serbischen Schwerbehinderten zu helfen, ihre Geschäfte bis 1946 erfolgreich geführt. Nach dem Zweiten Weltkrieg nationalisierte die neue Regierung die Kasse und übernahm sie als Eigentum des Ministeriums für sozialen Schutz. Georg Weifert führte als erster den Vorsitz im Fond für Schwerbehinderte „Sveti Djordje“ und Anastasija Naka Spasić, die Gattin von Nikola Spasić, war die letze Vorsitzende.

Weifert sorgte sich aber nicht nur um die Schwerbehinderten, sondern schenkte dem Frauenausschuss der Belgrader Frauengesellschaft eine große Liegenschaft im Stadtgebiet Topčidersko brdo, dem heutigen Viertel Dedinje. Dort wurde das Frauenheim „Sveta Ana“ [Heilige Anna] errichtet, in dem besser gestellte Frauen dem eigenen Wunsch nach und für eine entsprechende Vergütung untergebracht wurden.

Der Frauengesellschaft der belgrader Ärzte schenkte er ein Grundstück von großem Wert, welches über 20 Hektar groß war. Hier errichteten Frauen als Ärzte mit der Hilfe von schottischen Kolleginnen Krankenhausgebäude für die Behandlung von Frauen und Kindern. Die gesamte Bauzeit über stellte Weifert der Frauengesellschaft der belgrader Ärzte sein persönliches Konto bei der Volksbank zu Verfügung. Dieses Krankenhaus war zwischen den beiden Weltkriegen das Krankenhaus des Verkehrspersonals des sog. „Eisenbahnkrankenhauses“, das nun zum Komplex des Klinischen Zentrum „Dr Dragiša Mišović“ gehört, während man auf einem Grundstücksteil das Institut für Krankheiten der Sucht gebaut hat.

Am 27. September 1923 organisierte Georg Weifert die Überführung der sterblichen Überreste des Komponisten Stevan Mokranjac aus Skopje nach Belgrad. Zu der Gelegenheit stellte die Belgrader Gemeinde ein Eherengrab zu Verfügung.

Anerkennungen und Danksagungen von Zeitgenossen Georg Weifert’s blieben nicht aus. Er erhielt sodann neben dem vom König Milan Obrenović verliehenen Orden „Takovski krst“ später noch zahlreiche andere Auszeichnungen, als da sind: Karadjordjeva zvezda II reda [Karadjordje-Stern 2. Klasse], Veliki orden Svetog save [Großer Heiliger Save Orden], Beli orao o vratu sa Zvezdom [Halskette Weißer Adler mit Stern], Orden Miloša Velikog sa lentom [Orden Miloš der Große am Band], Medalja Društva „Sveti Sava“ [Medaille der „Heiliger Save“ Gesellschaft], Erinnerungsabzeichen aus dem Krieg u.a. Andererseits wurde seine Frau Marija ebenfalls mit dem Orden „Sveti Sava“ am Band und dem Orden der Königin Natalija ausgezeichnet.

Neben seinen wirtschaftlichen und humanitären Aktivitäten war Georg Weifert bei den Sammlern von Geldstücken und Markensammlern nicht unbekannt. Sowohl in Serbien als auch international galt er als leidenschaftlicher Sammler von alten Geldstücken und Briefmarken. Seine Geldstücksammlung erlangte tatsächlich einen unglaublichen Umfang, berücksichtigt man vor allem, dass er sie sich selbst ansammelte. Anlässlich der 50-Jahrfeier seiner wirtschaftlichen Tätigkeit schenkte Georg Weifert der Belgrader Universität 1923 seine einzigartige Geldstücksammlung mit über 14.000 Exemplaren alter Geldstücke, unter denen sich so manch eines befindet, das keine andere Sammlung oder Museum auf der Welt besitzt. Nach der Annahme der Sammlung als Geschenk, mit deren Zusammentragen noch Georgs Vater Ignatius Weifert angefangen hatte, wurde die Belgrader Universität zum Eigentümer eines wertvollen Schatzes und nahm einen international beneidenswerten Platz unter den wissenschaftlichen Instituten ein.

Keine ganze zehn Jahre später beschenkte Weifert noch eine bedeutende Einrichtung in Belgrad, das Museum der Stadt Belgrad. Hier hinterließ er seine große Sammlung historischer Dokumente. Das Geschenk überreichte er anlässlich der Weihung des Museums und der Bibliothek am 11. Januar 1931. Die Sammlung bestand aus 264 Bildern, Plänen, aus Kriegs- und geografischen Mappen. Eine detaillierte Beschreibung dieser Sammlung bot die damalige Referendarin am Museum und der Bibliothek, Dr. Marija Ilić-Agapov, in einem Sonderartikel, der in den Belgrader Gemeindezeitungen (Nr. 3. vom März 1932, S. 244) veröffentlicht wurde. Nach einer erfolgten Klassifizierung besteht die Sammlung aus folgenden Gruppen und Untergruppen:
Bilder des alten Belgrad vom 16. bis zum 19. Jh. (82 Bilder),
Alte Belgrader Stadtpläne aus dem 17. und 18. Jh. (18 Pläne),
Kriegskarten aus dem alten Balgrad des 17. und 18. Jh. (57 Karten),
Verschiedene Geschichtsunterlagen aus der Belgrader Vergangenheit, Entwürfe von Kriegsschiffen, Festungen und Lagerstätten (5 Dokumente)
Portraits verschiedener Persönlichkeiten aus der belgrader Geschichte sowie historische Szenen (15 Bilder)
Alte Texte hinsichtlich der Geschichte Belgrads (3 Texte)
(...) österreichischer und ungarischer Soldaten aus dem 18. Jh. (19 Bilder)
Verschiedene geografische Landkarten über Belgrad und dessen Umgebung, der Donauländer und dem Balkan vom 16. bis zum 19. Jh. (33 Karten)
Stadtpläne und Bilder von verschiedenen Städten aus der Umgebung Belgrads (21 Bilder)

Über Georg Weifert spricht noch am ehesten der oft ausgesprochene Satz, der sich eine Zeit lang als Sprichwort eingebürgert hatte:
„Sakaste Fajfert, eto vi go Fajfert.“

Es ergab sich gegen 1905, als ein ärmerer, einfältiger Serbe aus dem Süden seinen Vetter fragte, woher dieser soviel Geld hätte, um eine schöne Gaststätte in Belgrad zu eröffnen. Der sagte zu ihm: „Kriegte ich auf ’nen Wechsel“, und erklärte gleichzeitig, dass jener genauso vorgehen könnte. So kam der Mann zu einer der damaligen Banken. Doch dort meinte man, dass es sich um einen Scherz handele und sagte zu ihm: „Das Geld kannst Du nur bekommen, wenn Dir Weifert den Wechsel unterschreibt.“ Darauf fragte der Mann mit seinem erkennbaren südserbischen Akzent: „Wo ist dieser Weifert?“ Er wurde um die Ecke geschickt, in die Volksbank. Der Mann ging zur Volksbank und suchte Weifert auf. Der Türsteher dachte, es handele sich um irgendwelche Geschäfte der Brauerei Weifert’s, oder dass der Mann wohl ältere Geldstücke zum leidenschaftlichen Sammler bringen wollte, und führte ihn zum Gouverneur in der Volksbank. Der Mann fragte darauf gleich von der Tür aus mit seinem unverwechselbaren südserbischen Akzent: „Bist du der Fajfert, der hier Wechsel unterschreibt?“ Der verwirrte Weifert begriff sofort, dass man sich mit dem Mann einen Scherz trieb und fragte, wofür er das Geld brauche. „Ich will einen Gasthof eröffnen“ – „Ja, und willst Du das geliehene Geld wieder zurückzahlen?“ fragte der Gouverneur ihn und den Wechsel auf 500 Dinar beobachtend. „Wie könnte ich fremdes Geld nicht zurückzahlen, sobald ich es geschafft habe, meine Kinder zu ernähren, denn ich bin ein Mann, der sich um sein Haus sorgt, bin weder ein Hausverschwender noch ein Abenteurer.“ Daraufhin setzt sich Weifert seine Brille auf, unterzeichnete den Wechsel und gab ihn dem Mann. Nachdem sie sich verabschiedet hatten, lief der Bittsteller in die Bank, wo man sich auch weiterhin einen Spaß auf seine Rechnung machte, wie er nun verulkt wurde. Wuchtig legte er seinen Wechsel auf den Schalter mit den erkennbar akzentuierten Worten: „Sakaste Fajfert, eto vi go Fajfert,“ und erhielt die geforderte Summe.

Vrh / Top